Circulaya

„Grüne“ Werbeaussagen sind für viele Unternehmen längst Teil der Außendarstellung. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass Marketingformulierung und rechtliche Anforderungen nicht zusammenpassen. Genau hier setzt EmpCo an: Es geht um besseren Schutz gegen unlautere Praktiken durch verbindlichere Regeln und mehr Transparenz bei Umweltbehauptungen. Für Unternehmen heißt das: Aussagen müssen präzise sein, belegt werden können und dürfen Verbraucher nicht in die Irre führen.

Dieser Leitfaden ordnet die Umsetzung in Deutschland ein (mit Fokus auf UWG) und zeigt, welche Arten von Umweltaussagen nach der neuen Logik verboten sind und welche zulässigen Wege es gibt, um rechtssicherer zu kommunizieren. Besonders relevant ist das für Firmen der Kunststoffbranche, die häufig mit Themen wie Rezyklat, CO2-Reduktion, Zertifikaten, Recycling-Zielen oder Klimaneutralitätsversprechen arbeiten.

Präsentationsfolie „How it also went“ mit Kernbotschaften zu EmpCo: informierte nachhaltige Kaufentscheidungen und Einschränkungen irreführender Umweltaussagen
EmpCo soll Verbraucher besser schützen, indem klare Vorgaben für „nachhaltige Kaufentscheidungen“ und zulässige Umweltkommunikation geschaffen werden – unklare bzw. irreführende Aussagen werden dabei besonders kritisch betrachtet.

Was bedeutet EmpCo im Kern?

EmpCo zielt darauf ab, Verbraucher bei Entscheidungen für den ökologischen Wandel stärker zu schützen. Die Grundlage: Verbraucher sollen in die Lage versetzt werden, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen. Gleichzeitig müssen Gewerbetreibende die dafür nötigen Informationen bereitstellen.

Wichtig für die Praxis: EmpCo ist kein eigenständiges Regelwerk, sondern setzt auf bestehenden EU-Richtlinien auf. Für die Umsetzung in Deutschland steht dabei besonders die Erweiterung im Umfeld des UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) im Fokus.

Warum betrifft EmpCo Unternehmen mit Umweltkommunikation konkret?

Der Hintergrund ist, dass viele Umweltbehauptungen im Markt irreführend sind oder der Nachweis fehlt. Dadurch kann sich das Risiko verschärfen, dass Aussagen als Täuschung oder fehlende/ unzureichende Informationen bewertet werden. In der Konsequenz wird Umweltwerbung stärker an Definitionen, Begrenzungen und Überprüfbarkeit gebunden.

Für die Kunststoffbranche ist das besonders spürbar, weil Kommunikation oft auf vergleichsweise einfache Claims setzt (z.B. „klimaneutral“, „CO2 kompensiert“, „grün“, „klimafreundlich“, „Green“-Slogans). Genau diese Muster werden rechtlich relevanter.

UWG als zentrale Schiene: Wie sich EmpCo in Deutschland auswirkt

Das UWG gibt es seit 2010. Sein Hauptziel ist die Sicherung eines unverfälschten Wettbewerbs. Für EmpCo wird das Umfeld erweitert, indem Täuschungen durch Umweltaussagen stärker berücksichtigt werden.

Zwei zentrale Begriffe: Nachhaltigkeitssiegel und Umweltaussage

Damit klar ist, welche Aussagen gemeint sind, werden im Regelungsumfeld zwei Definitionen als besonders relevant herausgestellt:

Folie zur Neuregelung im UWG: Umsetzung von EmpCo mit Definitionen für Nachhaltigkeitssiegel und Umweltaussagen
EmpCo führt neue Definitionen in deutsches Recht ein: Nachhaltigkeitssiegel und der breite Begriff der Umweltaussage – damit wird die Grundlage für die rechtliche Einordnung von Claims deutlich.

Was wird mit EmpCo bei Umweltwerbung besonders kritisch?

Die neue Logik baut weniger auf Einzelfallgefühl, sondern stärker auf klaren Kategorien und Verboten. Besonders problematisch werden Umweltaussagen, die nicht nachweisbar sind, die Reichweite unklar lassen oder die Verbraucher in die Irre führen.

Grundprinzip: Allgemeine, unklare Claims verlieren stark an Boden

Das gilt vor allem für allgemein gehaltene Sätze wie „gut fürs Klima“ oder ähnliche Formulierungen. Solche allgemeinen Aussagen sind nicht mehr einfach „erlaubt, wenn es irgendwie stimmt“. Stattdessen braucht es entweder:

Konkrete Verbote und typische No-Gos: Checkliste für Marketing und Etikett

Im Umfeld der neuen Umsetzung werden mehrere Kategorien von Umweltaussagen als grundsätzlich irreführend eingestuft. Das sind die häufigsten Stolpersteine:

1) Nicht nachweisbare allgemeine Umweltaussagen

Formulierungen wie „klimafreundlich“, „grüne Alternative“ oder „gut fürs Klima“ fallen unter die kritischste Kategorie, wenn sie nicht über die passenden Nachweise und Standards abgesichert sind.

Praxisweg: Entweder auf ein anerkanntes Gütezeichen/Label setzen oder die Aussage in eine spezifische Kennzahl übersetzen.

2) Unklare oder unwahre Reichweite von Umweltvorteilen

Problematisch ist, wenn Unternehmen eine Zahl nennen, aber nicht eindeutig ist, woher und in welchem Umfang sie stammt. Beispiele aus der Logik:

Praxisweg: Reichweite und Dimension der Aussage müssen klar sein. Sonst entsteht der Eindruck einer Aussage, die so nicht stimmt.

3) Unwahre Angaben zu Reparierbarkeit und Haltbarkeit

Auch bei „Hält lange“ oder „leicht reparierbar“ wird es streng. Verboten sind nicht nur Fantasieversprechen, sondern auch die gegenteilige Richtung: Wenn eine Aussage zu kurz oder zu lang ist, die reale Lebensdauer oder Reparaturintervalle aber nicht passen.

Tafel mit UWG-Übersicht: unklare/wahre Angaben zu Reparierbarkeit und Haltbarkeit mit Beispielen wie „Hält ein Leben lang“
Ein weiteres No-Go: Auch Aussagen zur Haltbarkeit und Reparierbarkeit müssen passen – „Hält ein Leben lang“ oder zu pauschale Versprechen sind unzulässig, wenn sie nicht stimmen.

4) Werbung mit irrelevanten Vorteilen

Wenn ein „Vorteil“ nicht aus Produkt oder Geschäftstätigkeit hervorgeht, sondern bereits gesetzlich gilt oder ohnehin verpflichtend ist, kann das als irrelevante bzw. irreführende Werbung bewertet werden.

Praxisweg: Prüfen, ob der Vorteil wirklich aktiv aus der Tätigkeit resultiert oder nur eine Pflichteigenschaft ist.

5) Nachhaltigkeitssiegel und siegelähnliche Kennzeichnungen ohne echtes, festes Zertifizierungssystem

Nicht nur echte Siegel sind relevant, sondern auch siegelähnliche Darstellungen, insbesondere wenn sie nicht auf einem anerkannten System beruhen oder wie ein „Green“-Label wirken, ohne dass eine belastbare Grundlage besteht.

Als Orientierung wird hervorgehoben:

Folie „UWG – Was steht im Gesetz?“ mit Verbot der Verwendung von Nachhaltigkeitssiegeln oder ähnlichen Labels ohne Zertifizierungs- oder staatliche Grundlage
Besonders wichtig: Nachhaltigkeitssiegel und siegelähnliche Labels sind nur dann zulässig, wenn sie auf einem belastbaren Zertifizierungssystem beruhen oder gesetzlich eindeutig geregelt sind – sonst droht eine rechtliche Einordnung als unzulässige Umweltaussage.

6) Aussagen zur Treibhausgas-Kompensation

Ein besonders klares No-Go: Klimakompensation wird als verboten behandelt. Das betrifft sowohl konkrete Kompensationsbotschaften als auch Sätze wie „CO2 kompensiert“ oder „klimaneutral durch Kompensation“.

Wichtig für die Formulierung: Der Begriff „klimaneutral“ ist nicht pauschal verboten. Entscheidend ist, wie Klimaneutralität begründet und belegt wird.

Praxisweg laut Logik der Regelung: Klimaneutralität kann nur in Ausnahmefällen zulässig sein, wenn sie durch den Ansatz untermauert werden kann, der im Kern auf einer nachgewiesenen Nullbilanz beruht (es wird im Kontext von LCA-Ansätzen und negativen Emissionen gesprochen). Kompensationsargumente sind dabei keine tragfähige Basis.

7) „Künftige Umweltleistung“ ohne belastbaren Umsetzungsplan

Viele Unternehmen kommunizieren Ziele wie „bis 2030“ oder „wir werden klimaneutral“. Auch hier gilt: Künftige Umweltleistungen sind nur dann rechtlich sauber, wenn der Anspruch in eine überprüfbare Struktur überführt wird.

Aus den Anforderungen ergeben sich insbesondere folgende Mindestpunkte:

Das betrifft nicht nur CO2-Ziele, sondern auch Recycling-Ziele (z.B. „bis 2030 wollen wir X Prozent Rezyklateinsatz“).

Präsentationsfolie zu UWG: Verbot künftiger Umweltaussagen ohne detaillierten, messbaren Umsetzungsplan
Bei „künftigen Umweltleistungen“ reicht ein Ziel-Claim allein nicht: Wer werben will, braucht einen überprüfbaren, zeit- und ressourcenbezogenen Plan mit externer Validierung – sonst drohen Verbote nach der EmpCo-Logik.

Welche Formulierungen sind typischerweise eher zulässig?

Auch wenn die Details je nach Ziel und Nachweis variieren, gibt es eine praktische Grundlinie:

Für die Praxis ist außerdem relevant, dass viele erlaubte Aussagen dort sauberer wirken, wo sie auf demselben Medium erläutert sind. So wird etwa hervorgehoben, dass ein 40-seitiger Umsetzungsplan nicht sinnvoll „auf eine Verpackungsfläche gequetscht“ werden kann, aber ein QR-Code oder Link die Planbereitstellung abbilden kann.

Umstellung in der Praxis: So gehen Sie Ihre Umweltkommunikation systematisch an

Wenn Marketing, Vertrieb und Produktkommunikation an Umweltclaims arbeiten, hilft ein strukturierter Review. Folgender Prozess ist besonders geeignet, um schnell die größten Risiken zu finden:

  1. Bestandsaufnahme

    Alle Stellen sammeln, an denen Umweltaussagen erscheinen: Verpackung, Website, Kataloge, technische Datenblätter, Nachhaltigkeitsberichte, Präsentationen, Social-Media-Assets.

  2. Kategorisierung nach Claim-Typ

    Jede Aussage einer Kategorie zuordnen: allgemeine Klimabotschaft, konkrete Kennzahl, Siegel/siegelähnliches Label, Reparierbarkeit/Haltbarkeit, Kompensation, künftige Umweltleistung.

  3. Nachweis und Reichweite prüfen

    Für Zahlenwert-Aussagen prüfen: Ist die Reichweite wirklich deckungsgleich mit dem, was auf dem Produkt beworben wird? Sind Scope- oder Zuständigkeitsdimensionen transparent?

  4. Validierung und Planbarkeit sichern

    Bei künftigen Umweltleistungen: Gibt es den detaillierten Plan, zeitliche Einordnung, Erfolgsindikatoren, öffentlich zugängliche Dokumentation und externe Validierung?

  5. Siegel entlarven

    Visuelle Elemente und Claim-Umfelder prüfen: Wirkt etwas wie ein Siegel, auch wenn es kein echtes Zertifikat ist? Welche Grundlage existiert?

  6. Kommunikations- und Medienkonsistenz

    Wenn Erklärung und Aussage getrennt sind, prüfen: Ist das rechtlich abgedeckt und plausibel im Rahmen der Anforderungen (z.B. direkt am Medium oder über QR-Code bei Plänen)?

  7. Umsetzung und Anpassung

    Werbematerial anpassen, fehlerhafte Claims entfernen und interne Prozesse so aufsetzen, dass zukünftige Aussagen vor Freigabe geprüft werden.

Als praktische Datengrundlage wird im Umfeld der Anforderungen besonders der Nachhaltigkeitsbericht als Quelle für konsistente Aussagen genannt. Zusätzlich können Product Carbon Footprints oder vergleichbare Fußabdruck-Ansätze helfen, Zertifikate und Aussagen zu fundieren.

Häufige Fehler: So vermeiden Sie teure Rechtsrisiken

Fehler 1: „Wenn es gut gemeint ist, ist es schon okay“

Umweltwerbung wird an rechtliche Kategorien geknüpft. Gute Absicht ersetzt keine Nachweislogik, keine Reichweitenklarheit und keine richtige Einordnung von Kompensation oder Siegeln.

Fehler 2: Unternehmenswerte statt Produktaussage

Wenn Kennzahlen auf Produktverpackung stehen, müssen sie auch für das konkrete Produkt im beworbenen Umfang gelten. Andernfalls entsteht das Risiko einer unwahren Angabe zur Reichweite.

Fehler 3: Kompensation „hinterher“ umformulieren

Das Problem bleibt, wenn Kompensation inhaltlich beteiligt ist, auch wenn die Formulierung abweicht. Prüfen Sie daher nicht nur den Wortlaut, sondern den Mechanismus der Aussage.

Fehler 4: Ziele ohne validierten Plan kommunizieren

„Bis 2030 erreichen wir…“ ist nur dann belastbar, wenn Plan, Ressourcen, Zeitachse, Indikatoren, öffentliche Zugänglichkeit und externe Validierung erfüllt sind.

Ab wann gilt das und was bedeutet das für laufende Produkte?

Die Anforderungen werden mit Wirkung ab 27.09. verortet. In der Logik wird außerdem darauf hingewiesen, dass keine Abverkaufsfrist vorgesehen ist. Das bedeutet: Wenn Produkte mit falschen Aussagen noch im Umlauf sind, kann eine schnelle Anpassung nötig sein. Im schlimmsten Fall kann auch die Vernichtung in Betracht kommen.

Als Ausweg wird im Kontext von Zeitdruck die Idee der unbilligen Härte vor Gericht angesprochen, wobei es um die Argumentation geht, dass eine Umetikettierung innerhalb des Zeitplans nicht möglich war. Diese Option bleibt jedoch mit Rechtsunsicherheit behaftet.

Folie „UWG Fazit“ mit Kriterien für zulässige Umweltaussagen (klar, Gütezeichen, verifiziertes Nachhaltigkeitssiegel) und Hinweis auf keine Abverkaufsfrist
UWG-Fazit im Überblick: Welche Umweltwerbeaussagen zulässig sind (klar/spezifisch, anerkanntes Gütezeichen oder verifiziertes Nachhaltigkeitssiegel) und warum eine Anpassung ohne Abverkaufsfrist nötig sein kann.

Kurzer Takeaway: So machen Sie Umweltaussagen „auditierbar“

EmpCo in Kombination mit der Umsetzung über das UWG lässt sich in eine klare Praxisregel übersetzen:

Next Steps: Was Sie jetzt als Nächstes tun sollten

Wenn Sie in der Kunststoffbranche mit Kreislaufwirtschaft, Rezyklatanteilen und Nachhaltigkeitskommunikation arbeiten, lohnt sich besonders, Aussagen aus vorhandenen Datengrundlagen wie Nachhaltigkeitsbericht oder Product Carbon Footprints abzuleiten. So wird die Kommunikation konsistenter und besser überprüfbar.

Hinweis

Diese Darstellung ist eine praxisorientierte Einordnung der im Kontext genannten Regelungslogik. Für verbindliche Entscheidungen sollten Sie die konkrete Rechtslage und Ihre individuellen Formulierungen im Detail prüfen lassen.

Abschlussfolie „Tipps & Tricks“: Nachhaltigkeitsbericht, PCF und Kommunikation prüfen und anpassen
„Tipps & Tricks“ als Abschluss im Artikel: Nachhaltigkeitsbericht und PCF als Basis nutzen, Kommunikation prüfen und ggf. anpassen – damit Umweltaussagen auditierbarer werden.

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"Dieser  Artikel  basiert  auf  der  Transkription  eines  YouTube-Videos,  das  ich  für  thematisch  interessant  halte.  Die  darin  wiedergegebenen  Informationen  und  Meinungen  stammen  ausschließlich  vom  ursprünglichen  Sprecher  und  entsprechen  nicht  notwendigerweise  meiner  eigenen  Position."

Plastik bleibt nicht unsichtbar. Plastik bringt Chemikalien in unsere Luft, unser Wasser und in unseren Körper. Und Washington State Department of Ecology? Diskutiert Chemikalien in Kunststoffen in diesem Webinar. 

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Übersichtsfolie:  'Growing  epidemic  of  plastic  pollution'  mit  drei  Flächendiagrammen
Grafik: Visualisierung von Produktion, Abfall und Nutzung — zeigt, warum Recycling nicht reicht.

Wer sagt, dass wir Plastik einfach recyceln können?

Wer glaubt, Recycling löst das Problem, übersieht die Chemikalienfrage. Recycling reduziert sicherlich Abfallmengen – es beseitigt jedoch nicht automatisch die Belastung durch die tausenden Zusätze in Kunststoffen: Phthalate, Bisphenole, bromierte Flammschutzmittel, PFAS und viele weitere Wirkstoffe verbleiben in Produkten, können bei Produktion, Nutzung oder beim Recycling freigesetzt werden und gelangen so in Luft, Wasser und Nahrung. Diese Stoffe sind mit hormonellen Störungen, Entwicklungs‑ und Immunschäden sowie chronischen Erkrankungen verbunden; kurz: Entscheidungen, die heute getroffen werden, bestimmen Gesundheit und Kosten für Jahrzehnte. Washington State geht deshalb über Lippenbekenntnisse hinaus: Das Programm „Safer Products for Washington“ identifiziert prioritäre Produkte (z. B. PVC/PVDC‑Verpackungen), schränkt problematische Chemie ein und fördert sichere Alternativen (weitere Infos). Während manche Regionen noch diskutieren, müssen Hersteller, Einkäufer und Regulierer Stoffinventuren, Ersatzstoffbewertungen und Umstellungspläne vorantreiben, um regulatorische Risiken zu verringern und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Kurz gesagt: Recycling ist wichtig — aber ohne toxikologische Kontrolle und proaktive Substitutionsstrategien bleibt das Problem bestehen.

Kontrast: Reden versus Handeln

Viele in der Branche diskutieren noch; Washington State geht einen Schritt weiter und setzt konkrete Grenzen: Das „Safer Products for Washington“-Programm benennt Prioritätsprodukte, fordert Stofftransparenz und beschränkt gezielt Chemikalien in Verpackungen und Konsumgütern. Besonders PVC und PVDC in Lebensmittel‑ und Konsumverpackungen stehen im Fokus, weil sie häufig toxische Monomere und Additive enthalten und entlang ihres Lebenszyklus Menschen und Umwelt belasten. Behörden prüfen nicht nur Einzelfall‑Verbote, sondern zunehmend Klasseneinschränkungen, die verhindern sollen, dass ein problematischer Stoff einfach durch einen ähnlich gefährlichen Ersatz ersetzt wird.

Unternehmen reagieren unterschiedlich: Einige beginnen freiwillig, Ersatzstoffe zu testen und Lieferketten zu prüfen, andere verlangsamen Investitionen, weil regulatorische Unsicherheit Kosten und technische Umstellungen mit sich bringt. Behörden hingegen treiben Prozesse voran—mit Risiko‑ und Alternativbewertungen, Meldepflichten, Übergangsfristen sowie Fördermaßnahmen für Umstellungen. Das Ergebnis ist ein wachsender Druck auf Hersteller, schon heute Stoffinventuren, toxikologische Bewertungen und belastbare Substitutionspläne vorzulegen, um regulatorische und finanzielle Risiken zu minimieren.

Für die Praxis bedeutet das: Wer frühzeitig reagiert, kann Marktanteile gewinnen und teure Nachrüstungen vermeiden. Notwendig sind transparente Materiallisten, geregelte Testverfahren für Ersatzstoffe, Partnerschaften mit Lieferanten sowie Investitionen in sichere Barrierematerialien und Recyclingpfade, die keine toxischen Rückstände in den Kreislauf eintragen. Washington zeigt, wie Politik und Regulierung echten Wandel erzwingen können—nicht durch Lippenbekenntnisse, sondern durch zielgerichtete Vorgaben, Unterstützung für Umstiege und die Möglichkeit, ganze Chemieklassen zu adressieren.

Folie  'Safer  Products  for  Washington'  mit  Hervorhebung  zu  Plastic  PVC  or  PVDC  packaging
Washingtons „Safer Products“-Programm identifiziert PVC/PVDC-Verpackungen als Risikobereich.

Konkrete Fakten und messbare Zahlen

Infografik  gefährliche  Chemikalien  im  Kunststofflebenszyklus
Grafik: Gefährliche Chemikalien entlang des Kunststoff‑Lebenszyklus (Produktion → Nutzung → Entsorgung).

Warum das Problem komplexer ist als eine Mülltonne

Kunststoff kann ein komplexes Gemisch sein: ein Cocktail aus beabsichtigten Zusatzstoffen (Weichmachern, Flammschutzmitteln, Stabilisatoren, Farbstoffen, Antioxidantien), nicht beabsichtigten Stoffe (unintentional) und Rückständen von Monomeren und industriellen Verunreinigungen sowie aufgenommenen Schadstoffen aus der Umwelt. Hinter einem scheinbar einfachen Verpackungsfilm verbergen sich hunderte einzelne Chemikalien — von Phthalaten und Bisphenolen über bromierte Flammschutzmittel bis hin zu PFAS oder Rückständen wie Vinylchlorid — die unterschiedliche Eigenschaften und Risiken haben.

Die Gefahren entstehen nicht nur bei einem einzigen Schritt, sondern entlang des gesamten Lebenszyklus: Bei der Rohstoffgewinnung und Fracking entstehen Emissionen und Unfälle; in der Produktion treten Arbeiter‑ und Anwohnerexpositionen sowie schädliche Nebenprodukte auf; im Gebrauch können additive Stoffe in Lebensmittel, Luft und Hausstaub übergehen und so in den menschlichen Körper gelangen; beim Recycling werden unerwünschte Stoffe in recycelte Materialien übertragen und können so in neuen Produkten wieder auftauchen; bei der Verbrennung oder unsachgemäßen Entsorgung entstehen toxische Verbrennungsprodukte wie Dioxine und saure Abgase.

Hinzu kommt die physikalische Gefahr: Mikro‑ und Nanoplastikpartikel funktionieren als Träger für Schadstoffe, können selbst Entzündungsreaktionen und Zellstress auslösen und Schadstoffe weitertransportieren. Nicht zuletzt sind gesundheitliche und soziale Folgen ungleich verteilt — Anwohner nahe Produktionsstätten und Müllverarbeitungsanlagen tragen oft die höchsten Belastungen, was das Problem auch zu einer Frage von Umweltgerechtigkeit macht.

Deshalb reicht ein Blick in die Mülltonne nicht aus. Wir brauchen eine Lebenszyklus‑Perspektive, Transparenz über Inhaltsstoffe, zuverlässige Stoffinventuren und regulative Maßnahmen, die nicht nur einzelne Substanzen, sondern ganze riskante Chemikalienklassen adressieren, um Expositionen systematisch zu reduzieren.

Präsentationsfolie  'Refresher  on  Plastics'  mit  Aufzählung  '>16,000  plastic  chemicals',  '>4,200  high  hazard',  '>10,000  unknown'  und  einem  Kreisdiagramm;  Sprecherfenster  rechts  oben.
Zahlen, die alarmieren: >16.000 Chemikalien – viele unbekannt.

Vier Hauptklassen von ‚Problem‘-Chemikalien

  1. Phthalate: hormonell wirksam, verbinden Duftstoffe und machen Vinyl weich.
  2. Bisphenole (z. B. BPA/BPS): endokrine Aktivität, neuro- und reproduktionstoxisch.
  3. Bromierte Flammschutzmittel: persistente Neurotoxine, finden sich in recyceltem Plastik.
  4. PFAS (Per- und polyfluorierte Stoffe): „Forever Chemicals“, krebserregend und lebenslange Belastung.
PowerPoint-Folie  'Phthalates'  zeigt  Produkte  und  Verpackungen  als  Quellen  von  Schadstoffen.
Phthalate und ihre Präsenz in Verpackungen – relevant für Mikro- und Nanoplastik.

Micro- und Nanoplastik: Unsichtbar, aber wirkungsvoll

Microplastik findet sich in Wasser, Luft und Nahrungsmitteln. Aufnahme erfolgt hauptsächlich durch Essen und Atmen. Studien verbinden Partikel mit Entzündungen, Zellstress und Auswirkungen auf Herz, Lunge und Verdauung. Microplastik fungiert zudem als Träger für PFAS, Schwermetalle und Pestizide.

Folie  'Microplastics  –  exposure'  mit  mehreren  Bulletpoints  ('Contaminants  of  what  we  eat,  drink,  and  breathe'  und  'Ingestion')  und  Foto  von  Lebensmittelverpackungen  rechts.
Microplastik-Aufnahme: Nahrung, Trinken und Ingestion — konkretes Beispielbild.

Vorreiter und Lösungen: Was funktioniert?

Gouvernancestrategien und klare Produktanforderungen helfen. Washingtons „Safer Products for Washington„-Programm identifiziert sichere Alternativen und beschränkt Produkte nach Chemieklassen. Es benennt prioritäre Produktkategorien (etwa PVC/PVDC‑Verpackungen), fordert Transparenz in Form von Stoffinventuren, verlangt Risiko‑ und Alternativbewertungen und setzt Meldepflichten sowie Fristen für die Umstellung fest. Durch die Fokussierung auf Chemieklassen statt auf Einzelsubstanzen lassen sich sogenannte bedauerliche Substitutionen vermeiden – also das Ersetzen eines bekannten Schadstoffs durch einen sehr ähnlichen, gleichermaßen problematischen Ersatzstoff. Ergänzend bietet die Behörde technische Leitfäden, finanzielle Förderungen und Pilotprojekte, um Herstellern und Lieferanten den Übergang zu weniger riskanten Materialien zu erleichtern, und schafft damit Rechtssicherheit statt kurzfristiger Markthektik. Solche Governance‑Pakete verbinden Regulierung mit Unterstützung: sie ermöglichen Monitoring, Nachjustierung und öffentlich zugängliche Daten, reduzieren regulatorische und haftungsbezogene Risiken für Unternehmen und verringern langfristig Gesundheitsschäden und externe Kosten. Für die Praxis heißt das konkret: frühzeitig Stoffinventuren anlegen, Ersatzstoffbewertungen durchführen, Lieferkettenpartner einbinden und stufenweise Umstellungspläne umsetzen – so werden Recyclingströme entgiftet, Verbraucher geschützt und nachhaltige Marktchancen geschaffen.

Klare  Folie  'Safer  Products  for  Washington'  mit  hervorgehobener  Passage  'Plastic  PVC  or  PVDC  packaging'  und  kleinem  Sprecherfenster
Washingtons ‚Safer Products‘ – PVC/PVDC als prioritäres Verpackungsproblem.

Praktische Schritte für Entscheider und Macher

Wer heute die Chemie in seinen Verpackungen neu denkt, ist morgen regulatorisch und ökonomisch im Vorteil.

Was Du jetzt tun kannst

Für Entscheider: Fordere eine Stoffinventur an. Setze kurz-, mittel- und langfristige Deadlines. Beispiel: 12 Monate für Ersatzplan, 36 Monate für vollständige Umstellung. Nutze Fördermittel und Partnerschaften.

Für Unternehmen: Biete eine Pilotlieferkette ohne PVC an. Messe Gesundheitseffekte und Kosten. Kommuniziere transparent an Kunden und Regulierer.

FAQ

Wie entferne ich Mikroplastik und Chemikalien aus meinem Körper?

Es gibt keine einfache „Entgiftungs“-Lösung für Mikropartikel. Reduziere Exposition sofort. Vermeide Einwegkunststoffe, trinke Leitungswasser nach Prüfung, reduziere verarbeitete Lebensmittel. Manche Chemikalien zeigen schnelle Abnahmen nach Expositionsstopp.

Sind Biokunststoffe eine sichere Alternative?

Nicht automatisch. Studien zeigen, dass bis zu 70 % getesteter Biokunststoffe toxische Inhaltsstoffe enthalten können. Entscheidend ist Materialprüfung, nicht nur das Label „bio“.

Ist Silikon unbedenklich als Alternative?

Silikone basieren auf Siloxanen. Einige Siloxane sind persistent und problematisch. Als Kochgeschirr ist Edelstahl oft die sicherere Wahl. Prüfe Produktdatenblätter und Regulierungslisten.

Welche Gesetzesinitiativen gibt es aktuell?

Viele Maßnahmen laufen auf Staatsebene. Beispiele sind New Yorks Packaging Reduction Act und Washingtons Safer Products Program. Auf Bundesebene sind Initiativen limitiert. Die UN-International Plastics Treaty-Verhandlungen betonen Gesundheit.

Wie kann mein Unternehmen konkret beginnen?

Beginne mit einer ganzheitlichen Verpackungsberatung. Entwickle ein Audit, setze messbare Ziele und Fristen. Priorisiere Reduktion vor Recycling. Nutze Ressourcen wie die PPWR-Analysen und Design4Recycling-Guides.

This article was created from the video Beyond Plastics Webinar: Toxic Chemicals in Plastics with the help of AI.

 

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Eine aktuelle Studie von Interzero weist auf eine alarmierende Lücke hin: Bis 2030 fehlen in der EU rund eine Million Tonnen Post‑Consumer‑Rezyklat, das die Verpackungsindustrie braucht, um die Vorgaben der geplanten PPWR zu erfüllen. Diese Zahl ist kein abstraktes Szenario. Sie beschreibt eine reale Versorgungslücke, die jetzt schon spürbar ist und die Anbieter, Marken und Recyclingunternehmen vor harte Entscheidungen stellt.

Warum die Rezyklat‑Knappheit eine Dringlichkeit ist

Die PPWR legt verbindliche Recyclingquoten für Verpackungen fest. Ab 2030 müssen Marken und Händler bestimmte Anteile an Post‑Consumer‑Rezyklat (PCR) in ihren Verpackungen nachweisen. Trotzdem ist PCR heute bereits knapp, teuer und qualitativ nicht immer geeignet für Lebensmittelverpackungen oder anspruchsvolle Anwendungen. Die Gründe liegen auf mehreren Ebenen und verstärken sich gegenseitig:

Was genau ist PCR und warum ist es knifflig?

Post‑Consumer‑Rezyklat ist ein Kunststoffgranulat, das aus dem Abfallstrom der Verbraucher gewonnen wird. Typische Quellen sind gelbe Tonnen oder gelbe Säcke, aber auch andere getrennte Rücklaufströme. Der Weg vom Abfall zum Regranulat umfasst Sortierung, Ballen, verschiedene Reinigungs‑ und Aufbereitungsschritte und schließlich Extrusion. Jeder dieser Schritte kann die Qualität beeinflussen.

Wenn der Input heterogen ist, entstehen Schwankungen in Farbe, Reinheit und technischen Eigenschaften. Das erschwert die Nutzung für anspruchsvolle Verpackungsanwendungen. Zudem war über Jahre der Virgin‑Kunststoff preisstabil und günstig. Für viele Verpackungshersteller fällt die Entscheidung wirtschaftlich aus: Virgin ist einfacher und planbarer.

Die Studie von Interzero: 1 Million Tonnen fehlen bis 2030

Die Studie quantifiziert eine Lücke, die viele Marktteilnehmer bereits spürten. Die eine Million Tonnen bezieht sich allein auf die Verpackungsindustrie und die durch die PPWR ausgelöste zusätzliche Nachfrage nach PCR. Die Zahl berücksichtigt heutige Marktverhältnisse, die Schließung kleiner Marktteilnehmer und die strukturellen Engpässe. Sie ist ein Weckruf: Wenn nichts passiert, drohen nicht nur Bußgelder, sondern auch Versorgungsengpässe, Produktionsausfälle und eine Marktverzerrung zugunsten weniger, sehr gut aufgestellter Akteure.

Weshalb Strafen nicht die einzige Antwort sein sollten

Die Legislativdiskussionen rund um die PPWR sehen Strafen vor, falls Quoten nicht erfüllt werden. Doch die Diskussionsteilnehmer im Sektor betonen: Effektiver als Strafen sind Anreize und klare Marktanforderungen. Beispiele dafür sind Handelsunternehmen, die ihre Eigenmarken verbindlich an Mindeststandards für Rezyklatgehalt oder Recycelbarkeit binden. Solche Anforderungen treiben Nachfrage und geben Investitionssicherheit für Recyclinganlagen.

Wer kontrolliert und wer zahlt?

Eine große Frage bleibt: Wer überwacht die Einhaltung? Und wie wird länderübergreifend mit Delegierten Rechtsakten umgegangen? Diese Unklarheiten verstärken die Unsicherheit bei Investoren. Entsprechend ist es für Marken jetzt ratsam, aktiv zu werden, statt auf gesetzliche Klärungen zu warten.

Sechs Sofortmaßnahmen für Unternehmen

Aus der Studie und den Experteninterviews lassen sich sechs konkrete Maßnahmen ableiten, die Unternehmen sofort angehen sollten. Sie sind praxisorientiert und kombinieren Produktgestaltung, Beschaffung und Kooperation.

  1. Design for Recycling ernst nehmen
    Verpackungen müssen so gestaltet werden, dass sie sortenrein und einfach aufbereitbar sind. Materialien, Klebstoffe, Beschichtungen und Labels sollten in enger Abstimmung mit Sortierern und Recyclern ausgewählt werden.
  2. Langfristige, multi‑track PCR‑Beschaffung
    Verträge mit mehreren Lieferanten schließen, langfristige Mengensicherungen aushandeln und Risiko streuen. So lassen sich Ausfälle einzelner Ströme und plötzliche Engpässe abfedern.
  3. Pilotprojekte und Partnerschaften
    Gemeinsame Projekte entlang der Wertschöpfungskette durchführen, um Erfahrungen mit PCR‑Formulierungen, Maschinenparametern und Verpackungsdesigns zu sammeln.
  4. Portfolio anpassen und PPR‑ready machen
    Produktportfolios analysieren und priorisieren: Welche Verpackungen sind leicht umzustellen, welche benötigen Entwicklungsaufwand? Managementebene einbeziehen, denn es ist eine strategische Investitionsfrage.
  5. In Qualität und Infrastruktur investieren
    Hohe PCR‑Qualität erfordert technische Investitionen in Sortierung, Waschung und Extrusion sowie in Forschung an Additiven und Formulierungen.
  6. Typische Fehler vermeiden
    Keine kurzfristigen Ausschreibungen, Designänderungen ohne Recyclingberatung oder das Überschätzen eigener Beschaffungsmöglichkeiten. Recycelbare Lösungen müssen ganzheitlich gedacht werden.

Design for Recycling: Warum es der Hebel Nummer eins ist

Eines der klaren Mantras lautet: Was vorne reingeht, bestimmt, was hinten rauskommt. „Garbage in garbage out“ oder auf Deutsch: Recyclinganlagen sind keine Kläranlagen. Wenn Inputströme zu heterogen sind, lässt sich keine gleichbleibend hohe Produktqualität erzielen.

Recyclinganlagen sind keine Kläranlagen. Wenn wir etwas einheitlich und sauber einspeisen, bekommen wir auch ein konsistentes Produkt zurück.

Das bedeutet konkret: Weniger Verbunde, klar erkennbare Kunststofftypen, standardisierte Farben oder transparente Kennzeichnungen erleichtern die Sortierung und verbessern die technische Eignung von PCR für hochwertige Anwendungen. Design for Recycling ist damit kein Marketingtrick, sondern eine ökonomische Notwendigkeit.

Einkaufsstrategien: Mehrgleisigkeit zahlt sich aus

Marken sollten nicht auf einen einzigen Rezyklatlieferanten setzen. Der Markt ist fragmentiert. Kleine Spezialanbieter können für bestimmte Qualitäten sehr wertvoll sein. Eine Multi‑Track‑Strategie verteilt das Risiko und ermöglicht Zugriff auf unterschiedliche Qualitäten. Besonders sinnvoll sind:

Pilotprojekte: Lernen durch Tun

Der Umstieg von Virgin auf PCR ist nicht Plug and Play. Maschinenparameter ändern sich, Verarbeitungsfenster verschieben sich und Farbabweichungen müssen gemanagt werden. Pilotprojekte sind die effektivste Methode, um Erfahrungswissen aufzubauen. Das reduziert Umrüstzeiten, minimiert Ausschuss und schafft realistische Produktionspläne.

Wer profitiert, wenn man jetzt handelt?

Frühstarter werden mehrere Vorteile haben:

Es gibt bereits Beispiele, wo Unternehmen langfristig Materialströme gesichert haben. Diese Fälle zeigen, dass man mit gezielter Beschaffung und Partnerschaften auch in einem volatilen Markt erfolgreich sein kann.

Die Rolle von Dienstleistern und Beratern

Viele Unternehmen fühlen sich überfordert. Die PPWR ist komplex, Delegierte Rechtsakte kommen hinzu und die technische Umsetzung ist anspruchsvoll. Hier können spezialisierte Dienstleister helfen: Sie bieten rechtliche Interpretation, technische Beratung, Supply‑Chain‑Unterstützung und Forschung und Entwicklung für maßgeschneiderte Rezyklatlösungen. Ein Partner, der sowohl Recyclinginfrastruktur als auch Formulierungs‑Knowhow bietet, kann den Weg erheblich verkürzen.

Praktische Checkliste zum Sofortstart

Fazit: Jetzt handeln, statt auf 2030 zu warten

Die Lücke von einer Million Tonnen PCR bis 2030 ist ein realistisches Szenario, das Konsequenzen für Versorgungssicherheit, Kostenstrukturen und Marktstruktur hat. Wer jetzt handelt, hat die Chance, sich zu positionieren, Risiken zu mindern und Marktanteile zu sichern. Entscheidend ist ein integrativer Ansatz: Verpackungsdesign, Beschaffung, technische Anpassungen und enge Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette.

Die Empfehlung ist klar: Nicht erst auf die delegierten Rechtsakte oder Strafen warten. Packen Sie das Thema strategisch an, starten Sie Pilotprojekte, sichern Sie Materialmengen und gestalten Sie Verpackungen so, dass sie wirklich rezyklierbar sind. Nur so lässt sich die Versorgungslücke schließen und die PPWR‑Quoten zuverlässig erfüllen.

Weiterführende Schritte

Wenn Sie sofort etwas tun wollen, beginnen Sie mit einer schnellen Portfolioanalyse und einem Gespräch mit einem Recycler oder Berater. Holen Sie Pilotprojekte ins Rollen und prüfen Sie Ihre Beschaffungsstrategie auf Langfristigkeit und Diversifizierung. 2030 ist näher als viele denken.


Praktische Vorlagen & Muster

Zum schnellen Einsatz finden Sie hier kurze Vorlagen, die Sie ans Ende des Artikels anhängen oder direkt in Ihre Beschaffungs‑ und Entwicklungsprozesse übernehmen können.

Kurz-Checklist für PCR-Beschaffung

Muster-Spezifikation (Kurzversion)

Produkt:  PCR‑PET  Flakes
Farbe:  transparent  bis  hellblau
Kontaminanten:  <  1,0  %  Fremdstoffe
IV/Basiseigenschaft:  0,75  –  0,85  dl/g
Feuchtigkeit:  <  0,2  %
Liefermenge:  50  t/Jahr  (monatliche  Lieferungen)
Prüfprotokoll:  Lieferant  stellt  je  Lieferung  Analysebericht

Mustervertragliche Klausel (Mengensicherung)

Der Lieferant sichert dem Abnehmer eine jährliche Mindestmenge zu. Bei Überschreitung der zugesagten Menge gelten vereinbarte Staffelpreise. Kündigung nur mit 12 Monaten Frist und bei schwerwiegender Nichterfüllung möglich. Beide Parteien verpflichten sich zur Abstimmung technischer Spezifikationen in einem halbjährlichen Review.

Pilotprojekt-Template (3 Schritte)

  1. Planung (4–6 Wochen): Zieldefinition, Maschinenabgleich, Auswahl Testchargen
  2. Durchführung (2–8 Wochen): Testläufe, Qualitätsmessungen, Anpassungen
  3. Auswertung & Rollout (2–4 Wochen): KPIs bewerten, Freigabeprozesse, Skalierung

Diese Vorlagen sind bewusst kompakt gehalten, damit Sie schnell starten können. Für tiefergehende Anpassungen empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem technischen Berater oder Recycler.

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Ganzheitliche Verpackungsberatung. nachhaltig & wissensbasiert.

Nachhaltige Verpackungsclaims sind im Kommen. Und Groupe BEL ist einer der Vorreiter! 

🎙️ Chantal de Lamotte, Directrice du salon ALLFORPACK EMBALLAGE PARIS
🎙️ Bruno Siri : Délégué Général du Conseil National de l’Emballage
🎙️ Alexandre Vernier : Responsable Innovation & RSE Emballages – Groupe BEL

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Wer glaubt, Green Claims sei nur Marketing – der könnte irren!

Während viele noch Slogans auf Folien schreiben, hat Groupe BEL ihre Praxis schon verändert: klare Regeln, interne Tools und konservative Claims statt lauter Versprechungen. Das Ergebnis: glaubwürdige Kommunikation und geringeres Rechtsrisiko.

Problem vs. Lösung – in drei Sätzen

Das Problem: Verbraucher verlangen Umweltinformationen, die Gesetzgebung wird strenger, und irreführende Aussagen bringen Strafrisiken. Die Lösung: eine ganzheitliche Strategie aus Ökodesign, validierten Daten und transparenten, regelkonformen Claims. Das ist keine Theorie, das ist umsetzbar – jetzt.

Klare  Präsentationsfolie  'Nos  Publications'  mit  Link  zu  conseil-emballage.org,  Titel  'Les  guides  du  CNE'  und  hervorgehobener  Zeile  zu  'Allégations  environnementales';  Webinar‑Teilnehmer  rechts,  Teilnehmerzahl  +130  sichtbar.
CNE‑Publikationen (klare Folie) — Referenz für regulatorische Claims.

Wie Entscheider handeln sollten: Konkrete Fakten und Deadlines

Klare  Präsentationsfolie  'Recyclabilité'  mit  den  fünf  Kriterien  zur  Bewertung  von  Recyclingfähigkeit;  rechte  Seite  zeigt  Teilnehmer  der  Videokonferenz.
Die fünf Recyclabilité‑Kriterien — klare Entscheidungsgrundlage für Claims.

Vorreiter: Groupe BEL – was sie anders machen

Groupe BEL agiert als Praxisbeispiel für Entscheider. Die Maßnahmen im Überblick:

  1. Interdisziplinäre Prozesse: juristische Prüfung, R&D-Berechnung, Marketing-Review.
  2. Interne Tools zur Validierung: ein öffentliches Info-Tool für Verbraucher und ein internes „Compact“-Tool zur Konsistenz von Triman/Consignes. (französische Kennzeichnung)
  3. Fokus auf erlaubte Claims: recyclability (mit TRIB-Berechnung), Anteil Rezyklat korrekt angeben, Herkunftskennzeichnung (z. B. FSC).
  4. 5R-Strategie (Refuse, Reduce, Reuse, Restore, Recycle) statt lapidarer „grüner“ Labels.
Große  Folie  'Aider  les  équipes  marketing'  mit  eingeblendetem  Bildschirm  des  Compact‑Tools  von  Groupe  BEL,  das  Felder  zu  Marke,  Typ  und  Recyclability  anzeigt.
Compact/Tool‑Screenshot: Recyclability‑Daten für Verpackungen.

Warum das funktioniert – Nutzen für Entscheider

Messbarkeit macht Claims glaubwürdig. Gruppenentscheidungen auf Basis von Daten reduzieren rechtliche Risiken (Laws: AGEC, AJEC) und schützen Reputation. Sichtbar, messbar und nachprüfbar heißt: weniger Retouren, stärkere Markenwahrnehmung, weniger Abmahnrisiken.

Konkrete Checkliste für Claim-Formulierungen

Klarer  Folien‑Screenshot  mit  Abbildungen  von  Etui  und  Beutel  (Boursin,  Mini‑Babybel)  und  einem  Kartonbecher;  Recycling‑Symbole  und  kurze  Texte  erkennbar;  Webinar‑Teilnehmer  rechts.
Konkrete Verpackungsbeispiele mit Recycling‑Hinweisen (gut lesbar).

Storytelling: Vorreiter vs. Nachzügler

Vorreiter bauen Datenflüsse. Nachzügler füllen PowerPoint-Folien. Vorreiter investieren in Testzentren, Validierung und klare Internprozesse. Nachzügler riskieren Abmahnungen und Reputationsverlust. Wie bei einem Schiff: wer die Lecks früh abdichtet, erreicht sicher den Hafen.

Klare  Präsentationsfolie  'Les  actions  du  comité  et  sa  déontologie'  mit  Punkten  zur  Sammlung  von  Umweltbehauptungen,  Fall‑Reviews  und  Verhaltensregeln  des  CNE;  Videoteilnehmer  rechts  sichtbar.
Präsentationsfolie: Aufgaben des Komitees und Deontologie (gut lesbar).

Metaphern, die die Lage erklären

Claims sind keine Werbeparolen, sie sind das Navigationssystem deiner Marke. Ein ungetesteter Claim ist wie ein Kompass ohne Kalibrierung.

Empfehlungen für Entscheider und Macher

  1. Implementiere ein kleines Expertenteam: Legal + R&D + Marketing.
  2. Nutze die Tools der Öko-Organismen (z. B. TRIB) für die Recyclability-Bewertung.
  3. Führe Center-of-Excellence-Tests in Sortieranlagen für neue Materialien durch.
  4. Veröffentliche die verpflichtenden Produktinformationen auf deiner Website (AGEC-konform).
  5. Kommuniziere konservativ: lieber eine klare, belegbare Aussage als eine schwammige.

Validation: Zahlen, die überzeugen

Fazit: Wer heute handelt, gewinnt morgen

Wer heute Prozesse, Daten und Regeln implementiert, ist morgen rechtlich sicherer und glaubwürdiger am Markt. Prüfe deine Claims mit internen Tools, validiere sie extern und kommuniziere klar. Ganzheitliche Verpackungsberatung. Nachhaltig, Wissensbasiert, Regulatorische Antworten. Ist kein Luxus, sondern strategische Pflicht für Entscheider.

Call-to-Action

Was hält dich zurück? Starte mit einer kurzen Audit-Liste: Claim, Beleg, Zielmarkt, Deadline. Entscheide heute, handle morgen.

FAQ

Wie bestimme ich seriös den Recyclability-Prozentsatz eines Verpackungsprodukts?

Nutze das von den Öko-Organismen bereitgestellte Bewertungs-Tool (z. B. TRIB in Frankreich). Berechne die Rezyklatanteile über das Gesamtgewicht aller Komponenten (inkl. Verschluss und Etikett) und dokumentiere die Methode.

Sind Center-of-Excellence-Tests in Sortieranlagen notwendig?

Für Standardmaterialien oft nicht. Bei neuen Materialien oder ungewöhnlichen Konstruktionen sind Tests empfehlenswert, um tatsächliche Sortierbarkeit zu validieren.

Welche Claims sind in Frankreich verboten oder stark reglementiert?

Generische Aussagen wie „gut für die Umwelt“ sind untersagt. Auch irreführende Begriffe wie „biodégradable“ sind durch klare Regeln ersetzt worden; stattdessen muss auf zertifizierte Kompostierbarkeit Bezug genommen werden.

Welche Fristen und Regularien muss ich beachten?

Beachte AGEC (inkl. Decrees), AJEC-Sanktionsverschärfungen sowie EU-Vorgaben: PPWR (08/2026) und erwartete Green Claim-Vorgaben (2027). Planungen sollten 2026–2027 konform sein.

Klar  lesbare  Abschlussfolie  'Merci  de  votre  attention'  mit  Datum  '24  au  26  novembre  2026',  Kontakt‑URL  und  Hinweis  auf  weitere  Webinare;  Video‑Thumbnails  der  Teilnehmer  rechts.
Abschlussfolie: Einladung zur All‑for‑Pack‑Messe und Verweis auf weitere Webinare.

Tools & Quellen, die du sofort prüfen solltest

Praktische Ressourcen und vertiefende Artikel:

Environmental claims on product packaging: French Packaging Council Views and Recommendations June 2023 Edition

Green claims

Proposal for a Directive on Green Claims

https://www.compareethics.com/

https://greenwashingchecker.org/

https://vki.at/greenwashing-check

This article was created from the video Webinar #9 : Emballage & allégations environnementales, communiquer sans greenwashing with the help of AI.

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Im Gespräch bei FACHPACK TV und veröffentlicht vom Packaging Journal habe ich (Sonja Bähr) über eines der wichtigsten Themen gesprochen, das die Verpackungsbranche derzeit bewegt: die EU-Verpackungsverordnung PPWR. In diesem Beitrag fasse ich meine Einschätzungen, Beobachtungen aus Beratungsprojekten und Empfehlungen zusammen. Außerdem berichte ich von einem bewegenden Moment auf der Messe: der Initiative „Women for Packaging“ – ein Format, das mir persönlich sehr am Herzen liegt.

Warum die PPWR für die Branche eine Zäsur ist

Die PPWR verändert die Rolle der Verpackung grundlegend. Verpackung war lange „ein gekauftes Bauteil“ – wichtig für Schutz, Marketing und Logistik, aber selten Kern der Produktverantwortung. Mit der PPWR rückt die Verpackung selbst in den Verantwortungsbereich des Herstellers und wird regulatorisch relevant: Konformitätserklärungen, klare Zuständigkeiten, Nachweispflichten und neue Kennzeichnungsanforderungen.

„Wer unterschreibt die Konformitätserklärung? Geschäftsführung, Qualitätsmanager, Verpackungsingenieur?“

Das ist keine rhetorische Frage: Unternehmen müssen intern klären, wer für welche Teile der neuen Aufgaben verantwortlich ist. Ohne klare Prozesse droht Chaos – oder im schlimmsten Fall Rückrufe und Regressfragen.

Meine Beobachtung auf der Messe: Zwei Geschwindigkeiten

Auf der Messe zeigte sich deutlich: Zwei Gruppen bedrängen das Marktgeschehen. Auf der einen Seite adäquat vorbereitete Unternehmen, die bereits strukturiert arbeiten und die Anforderungen in Teilen oder vollständig abbilden können. Auf der anderen Seite ein Großteil der Firmen – ich schätze 80 bis 90 Prozent –, die die Tragweite noch nicht verstanden haben oder nicht ausreichend Ressourcen besitzen, um schnell zu reagieren.

Letztere Gruppe steckt meist noch in den Prozessen, die die Umsetzung der PPWR erfordern: Verantwortlichkeiten, Tests, Lieferantenintegration, Dokumentation, digitale Ablage. Viele hoffen, die Sache werde sich noch verwässern oder verschoben. Meine klare Botschaft: Diese Hoffnung ist kein Plan.

Warum jetzt handeln?

Was genau macht Unternehmen Sorge?

Die Unsicherheit entsteht an vielen Stellen:

Besonders das Thema Kennzeichnung ist praktischer Natur: Wenn farbige Symbole vorgeschrieben sind, kann das zusätzliche Druckkosten oder Produktionsschritte nach sich ziehen. Das ist ein Aspekt, den viele nicht sofort auf dem Schirm haben.

Pragmatische Sofortmaßnahmen: Ein Handlungsleitfaden

Als Ingenieurin und Verpackungsberaterin empfehle ich einen strukturierten, pragmatischen Ansatz. Es geht nicht darum, alles perfekt von heute auf morgen zu haben, sondern um Priorisierung und risikobasierte Umsetzung.

  1. Bestandsaufnahme: Welche Verpackungen habe ich im Portfolio (Verkaufs-, Sekundär-, Transportverpackung)? In welchen Regionen sind meine Produkte aktiv?
  2. Rollen definieren: Wer ist Prozessverantwortlicher für Packaging Compliance? Wer unterschreibt die Konformität? Management-Ebene muss das Budget freigeben.
  3. Lieferanten einbinden: Sind meine Zukaufteile dokumentiert? Welche Informationen müssen Lieferanten liefern (Materialzusammensetzung, Recyclingfähigkeit, Prüfzeugnisse)?
  4. Prüfbedarf identifizieren: Welche Labor- oder technische Tests sind notwendig? Wo fehlen Dokumentationen?
  5. Digitalisierung: Wie werden Daten gespeichert, versioniert und auditfest abgelegt?
  6. Risikobasiertes Priorisieren: Beginnen Sie mit Produkten mit hohem Risiko (Lebensmittel, Pharma, Produktgruppen mit vielen Verpackungsvarianten) und mit Produkten, die hohe Marktpräsenz haben.

Das ist kein Hexenwerk. Es ist die übliche Ingenieursarbeit: Strukturiert Prozesse aufzusetzen, Verantwortlichkeiten zu definieren und die notwendigen Daten zu sammeln.

Die Kehrseite: Nachhaltigkeit wird zur Pflicht, nicht nur zur Kür

Auf der Messe fiel mir auf, dass das Thema Nachhaltigkeit „abgeschliffen“ wirkte. Vor einigen Jahren war jedes Produkt noch mit „100% recycelbar“ beworben. Heute scheint das wieder ein Selbstverständnis zu werden – weil es sein muss. Die PPWR macht Nachhaltigkeitsanforderungen regulatorisch verpflichtend, nicht mehr nur als Marketingaussage.

Das bedeutet konkret: Unternehmen können nicht mehr nur „grüne Labels“ aufdrücken, sondern müssen nachweisen, wie recycelbar oder recyclingfähig ihre Verpackungen sind und die entsprechende Dokumentation liefern. Gleichzeitig erzeugt das neue Druck auf Innovation: Retail fordert Lösungen, die dem Endkunden in unsicheren Zeiten Mehrwert bieten – Convenience, Haltbarkeit, kleinere Portionen, neue Funktionalitäten.

Was Händler und Marken jetzt erwarten

Ein weiterer Punkt, den ich auf dem Messeboden beobachte: Handel und Retail fordern wieder mehr Innovation. In wirtschaftlich angespannten Zeiten sinkt die Konsumfreude, und Händler suchen Produkte und Verpackungen, die den Absatz stimulieren. Unternehmen, die rein mit Compliance beschäftigt sind, verlieren Platz für Innovationsprojekte. Wer schneller eine Kombination aus Konformität und Innovation liefert, kann Marktanteile gewinnen.

Häufige Missverständnisse und Beruhigung

Ich höre auch oft extreme Szenarien: „Wird sofort eine Strafe in sechsstelliger Höhe kommen?“ Meine Antwort: Keine Panikmache. Die PPWR ist nicht dazu da, Unternehmen sofort zu strafen, sondern einen Rechtsrahmen zu schaffen. Das heißt nicht, dass man die Augen verschließen sollte. Vorbereitung ist das Gebot der Stunde.

Frauen in der Verpackungswelt: „Women for Packaging“

Ein persönliches Anliegen ist mir die Initiative „Women for Packaging“, die auf der Messe stattfand. Es war die zweite Auflage, fast 200 Teilnehmerinnen, und ein Format, das ich sehr unterstütze. Es geht nicht darum, Frauen Technik beizubringen – das haben sie längst – sondern um einen sicheren Raum für Austausch, Sparring und berufliche Entwicklung.

Neu dieses Jahr war das Format mit fünf Tischen und jeweils einer Tischleitung (Table Captain). Die Teilnehmerinnen konnten zwei Tische wählen, sich austauschen und wurden per Headset aktiv eingebunden. Die Atmosphäre war konzentriert, respektvoll und intensiv: eine echte Möglichkeitsplattform.

Solche Netzwerke sind in einer Branche, die in höheren Hierarchiestufen immer noch männlich dominiert ist, ungemein wichtig. Sie bieten Mentoring, Sparring und konkrete Anlaufstellen.

Was Unternehmen jetzt tun sollten — eine kurze Checkliste

Fazit: Keine Zeit für Zaudern, aber auch kein Grund zur Panik

Die PPWR ist eine Herausforderung, aber sie ist beherrschbar – wenn Unternehmen strukturiert, pragmatisch und vorausschauend handeln. Wer jetzt Verantwortung übernimmt, Prozesse etabliert und die richtigen Prioritäten setzt, wird nicht nur konform, sondern kann sich auch Innovationsvorteile sichern.

Für mich persönlich bleibt die Freude an der Arbeit mit Menschen und die Überzeugung, dass Verpackung ein integraler Bestandteil von Produktverantwortung ist. Auf Messen wie der FACHPACK sieht man das: Eine lebendige Branche, auf der sich bereits viele zukunftsorientierte Köpfe finden. Und dazu gehören auch Initiativen wie „Women for Packaging“, die das Netzwerk stärken und Perspektiven öffnen.

„Es ist kein Hexenberg. Wir sind Ingenieure – wir können das strukturiert aufbauen. Aber wir müssen jetzt anfangen.“

Wenn Sie Fragen zur Umsetzung der PPWR in Ihrem Unternehmen haben oder Unterstützung bei der Priorisierung brauchen: Sprechen Sie mich an. Wir können pragmatische Schritte planen, damit Sie sowohl regulatorisch sicher als auch innovationsfähig bleiben.

Kontakt und nächste Schritte

Bleiben Sie informiert (z. B. mit dem PPWR-Countdown auf Fachportalen) und nutzen Sie die kommenden Monate für strukturiertes Vorgehen. Die Zeit bis 2026 ist kurz, aber ausreichend, wenn Sie jetzt starten.


Hinweis: Es wurden keine URLs zur Verfügung gestellt. Unten finden Sie vorgeschlagene Ergänzungen und Platzhalter, die am Ende des Beitrags eingefügt werden können, sobald die entsprechenden Links vorliegen.

Vorgeschlagene Link-Platzierungen (Ankertext 1–3 Wörter):

Sobald Sie die URLs bereitstellen, kann ich die Links direkt in den Text einfügen und die Ankertexte an den passenden Stellen (jeweils innerhalb der Absätze) implementieren.


Verpackungen sind ein allgegenwärtiger Teil unseres modernen Lebens. Vom Joghurtbecher am Morgen bis zum Online-Paket am Abend sind sie unverzichtbar, um Produkte zu schützen, zu transportieren und zu präsentieren. Doch was passiert, wenn die Verpackung selbst ein Problem darstellt? Viele Verpackungsmaterialien enthalten chemische Substanzen, die nicht nur die menschliche Gesundheit und die Umwelt gefährden, sondern auch das Recycling erschweren oder unmöglich machen.

Die Europäische Union hat dieses Problem erkannt und leitet mit der neuen Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR) eine neue Ära der Nachhaltigkeit ein. Ein zentraler Baustein dieser Initiative ist die Identifizierung und Minimierung von sogenannten „besorgniserregenden Stoffen“ (Substances of Concern, SoC). Um diesen komplexen Sachverhalt wissenschaftlich fundiert anzugehen, hat die Europäische Kommission die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) mit einer umfassenden Studie beauftragt. Dieses Mandat ist ein entscheidender Schritt, um unsere Regale sicherer und unsere Wirtschaft wirklich zirkulär zu machen.

Das Problem im Detail: Was sind „besorgniserregende Stoffe“?

Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen Kuchen backen, aber eine Zutat verdirbt nicht nur den Geschmack, sondern macht auch das Aufräumen der Küche unmöglich. So ähnlich verhält es sich mit besorgniserregenden Stoffen in Verpackungen.

Gemäß der EU-Verordnung sind dies Substanzen, die aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften ein Risiko darstellen. Dazu gehören Stoffe, die:

Diese Stoffe stellen eine doppelte Bedrohung dar:

  1. Chemische Sicherheit: Sie können aus der Verpackung austreten und Lebensmittel kontaminieren oder bei der Entsorgung in die Umwelt gelangen, wo sie Ökosysteme und die menschliche Gesundheit schädigen.
  2. Kreislaufwirtschaft: Ihre Anwesenheit kann Recyclingprozesse stören. Entweder machen sie das recycelte Material unbrauchbar und von minderer Qualität, oder sie machen den Recyclingvorgang technisch zu aufwendig und wirtschaftlich unrentabel.

Das Ziel der PPWR ist klar: Die Menge dieser Stoffe in allen Verpackungsmaterialien muss auf ein Minimum reduziert werden.

Die Mission: ECHAs umfassender Untersuchungsauftrag

Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es eine solide Datenbasis. Genau hier kommt die ECHA ins Spiel. Die Europäische Kommission hat die Agentur beauftragt, bis September 2026 einen detaillierten Bericht vorzulegen. Diese Studie ist weit mehr als nur eine einfache Auflistung von Chemikalien; sie ist eine tiefgreifende Analyse des gesamten Verpackungsökosystems.

Der Auftrag für die ECHA gliedert sich in mehrere Schlüsselschritte:

1. Erstellung einer „Landkarte“ der EU-Verpackungen

Zunächst wird die ECHA eine umfassende Bestandsaufnahme aller Verpackungen vornehmen, die auf dem EU-Markt erhältlich sind. Dies umfasst eine Kartierung nach Material (Kunststoff, Papier, Glas, Metall etc.), Art (Flaschen, Dosen, Schachteln) und Verwendung. Dabei wird auch zwischen Verpackungen für sensible Inhalte (z.B. Lebensmittel) und andere Anwendungen unterschieden.

2. Identifizierung der chemischen „Zutaten“

Im nächsten Schritt wird eine Liste aller Substanzen erstellt, die bei der Herstellung von Verpackungen und ihren einzelnen Komponenten (z. B. Deckel, Etiketten, Klebstoffe) vorhersehbar verwendet werden. Die Untersuchung endet nicht bei der Herstellung; auch Stoffe, die während der Wiederverwendung oder des Recyclings entstehen oder eingesetzt werden, werden erfasst.

3. Aufspüren der Problemstoffe

Mit dieser umfangreichen Liste wird die ECHA jene Substanzen herausfiltern, die die Kriterien für „besorgniserregende Stoffe“ erfüllen. Für jeden identifizierten Stoff wird genau begründet, warum er als besorgniserregend eingestuft wird – sei es aufgrund von Risiken für die chemische Sicherheit oder wegen negativer Auswirkungen auf die Wiederverwertbarkeit.

4. Analyse der Auswirkungen

Die Studie wird auch untersuchen, in welchen Konzentrationen diese Stoffe typischerweise vorkommen. Zudem analysiert die ECHA die bestehenden Abfallströme und Recyclingtechnologien in der EU, um zu verstehen, wie die Problemstoffe die Effizienz dieser Systeme beeinträchtigen und welche Risiken für Arbeitskräfte in der Abfallwirtschaft und für die Umwelt bestehen.

5. Priorisierung für zukünftige Maßnahmen

Schließlich wird die ECHA eine Prioritätenliste von Stoffen erstellen, die möglicherweise im Rahmen der REACH-Verordnung (der zentralen EU-Chemikaliengesetzgebung) beschränkt werden sollten. Diese Liste wird als wissenschaftliche Grundlage für zukünftige Regulierungsentscheidungen der Kommission dienen.

Ein besonderer Fokus liegt auf PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), den sogenannten „Ewigkeitschemikalien“, die aufgrund ihrer extremen Langlebigkeit besondere Bedenken aufwerfen.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Die Ergebnisse dieser wegweisenden Studie werden weitreichende Konsequenzen haben und die Verpackungsindustrie nachhaltig verändern:

Zeitplan für den Wandel

Der Prozess folgt einem klaren Zeitplan:

Basierend auf diesem Bericht wird die Kommission bis Ende 2026 weitere Maßnahmen vorschlagen, um die Verpackungslandschaft in Europa sicherer und nachhaltiger zu gestalten.

Zusammenfassung

Die von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene ECHA-Studie ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer echten Kreislaufwirtschaft für Verpackungen. Sie schafft die wissenschaftliche Grundlage, um schädliche Chemikalien aus dem Verkehr zu ziehen, die Sicherheit für Mensch und Umwelt zu erhöhen und die Wiederverwertbarkeit von Materialien drastisch zu verbessern. Für Verbraucher bedeutet dies mehr Transparenz und sicherere Produkte, während die Industrie klare Leitplanken für eine zukunftsfähige und nachhaltige Produktion erhält. Es ist ein komplexes, aber notwendiges Unterfangen, das sicherstellt, dass Verpackungen ihre Schutzfunktion erfüllen, ohne einen schädlichen Fußabdruck zu hinterlassen.

/https://www.echa.europa.eu/de/cfe-substances-in-packaging-and-packaging-waste

Die „Packaging and Packaging Waste Regulation“ (PPWR) der EU ist ein zentraler Treiber für den zukünftigen Einsatz von Rezyklaten in Verpackungen aus Kunststoff. Ihr Ziel ist unter anderem sicherzustellen, dass bis 2030 alle auf dem EU-Markt in Verkehr gebrachten Kunststoffverpackungen wiederverwendet oder leicht zu recyceln sind. Der Recyclatanteil nach Kunststoffart und Verwendung des Packmittels ist ebenfalls klar definiert. Dies führt wird in Zukunft zu einer Steigerung von recyceltem Material (Rezyklat). [EUR-Lex, Kunststoffstrategie]

Die PPWR setzt ambitionierte Vorgaben zur Erhöhung der Quote von recyceltem Kunststoff in Verpackungen und fördert innovative Designlösungen, die Recycling ermöglichen und den Kreislauf für Kunststoffe schließen.

Strategische Maßnahmen für eine ausreichende Rezyklatversorgung

Um dem steigenden Bedarf an Rezyklaten gerecht zu werden, sind mehrere strategische Maßnahmen notwendig:

  1. Ausbau der Sortier- und Recyclingkapazitäten: Investitionen in moderne, effiziente Sortier- und Recyclinganlagen sind unverzichtbar, um qualitativ hochwertige Rezyklate bereitzustellen.
  2. Förderung von Design-for-Recycling: Produkte und Verpackungen müssen so gestaltet werden, dass sie nach Gebrauch problemlos recycelt werden können.
  3. Marktmechanismen für Rezyklate: Verpflichtende Mindestquoten für den Recyclateinsatz und Anreize für die Nutzung von Sekundärrohstoffen in neuen Produkten sind entscheidend.
  4. Transparenz und Rückverfolgbarkeit: Digitale Lösungen und Kennzeichnungssysteme verbessern die Rückverfolgbarkeit und Förderung der Akzeptanz von Rezyklaten.

Bekannte Engpässe und aktuelle Herausforderungen

Trotz der regulatorischen Anreize gibt es derzeit Engpässe in bestimmten Bereichen:

Aktuell sind zudem mehrere Kunststoffrecycler in die Insolvenz gerutscht. Gründe sind unter anderem niedrige Preise für Primärkunststoffe, hohe Energiepreise, sinkende Nachfrage nach Rezyklaten und fehlende Investitionssicherheit. Dies verschärft die Versorgungslage mit Rezyklaten und droht, Fortschritte im Bereich Kreislaufwirtschaft zu bremsen.

Fazit

Die PPWR setzt klare Impulse für den verstärkten Einsatz von Rezyklaten und zwingt Industrie wie Politik zum systematischen Ausbau entsprechender Kapazitäten. Um zukünftige Engpässe zu vermeiden und die Kreislaufwirtschaft zu stärken, braucht es ambitionierte Investitionen, klare Marktanreize und die Beseitigung aktueller wirtschaftlicher Unsicherheiten.

Die Einhaltung von Vorschriften bei bedruckten Lebensmittelverpackungen stellt weltweit eine komplexe Herausforderung dar. In diesem Artikel geben wir einen umfassenden Überblick über die unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen an Lebensmittelkontaktmaterialien (FCM) mit Schwerpunkt auf Druckfarben. Dabei beleuchten wir globale Regelungen, einen tiefen Einblick in die europäische Gesetzgebung sowie die Konzepte der Druckfarbenindustrie, um die Sicherheitslücken zu schließen und sichere Verpackungen zu gewährleisten.

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Einführung in die Welt der Lebensmittelkontaktmaterialien (FCM)

Lebensmittelkontaktmaterialien sind Hightech-Produkte, die zahlreiche Anforderungen erfüllen müssen. Sie dienen nicht nur dem mechanischen Schutz der Lebensmittel, sondern auch der Information des Verbrauchers und der Sicherstellung der Funktionalität, beispielsweise durch Barriereeigenschaften.

Darüber hinaus gewinnen Nachhaltigkeitsaspekte immer mehr an Bedeutung: Zutaten müssen nachhaltigen Kriterien entsprechen, Verpackungen sollten recyclebar sein und idealerweise aus recyceltem Material bestehen. Attraktivität und Dekoration spielen ebenso eine Rolle, ohne dabei die sensorischen Eigenschaften wie Geruch und Geschmack der Lebensmittel negativ zu beeinflussen.

Globale Regulierungen im Überblick

Die gesetzlichen Vorgaben für Druckfarben auf Lebensmittelkontaktmaterialien unterscheiden sich weltweit erheblich. Zwei grundlegende Prinzipien dominieren die Gesetzgebung:

USA

Die USA regulieren Lebensmittelkontaktmaterialien über den Code of Federal Regulations, Title 21, der gute Herstellungspraxis (GMP) fordert. Spezifische Vorschriften für Druckfarben fehlen jedoch, sodass Hersteller von Druckfarben umfassende und transparente Informationen bereitstellen müssen, damit Verpackungshersteller die Sicherheit bewerten können.

Mercosur

Die Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Venezuela) verfügen über eine Rahmenregelung aus dem Jahr 1992, die der europäischen ähnelt. Ein wichtiges Element ist die Erhöhung des Gesamtmigrationslimits auf 60 mg/kg, was eine Anpassung an europäische Standards darstellt. Für Kunststoffe existiert zudem eine Positivliste.

China

China führt mit der Norm GB48061 allgemeine Anforderungen ein, darunter die Liste A4 mit rund 200 Substanzen für Druckfarben – eine vergleichsweise geringe Anzahl. Die neue chinesische Druckfarbenverordnung (GB480614), die im September 2024 in Kraft tritt, stellt Hersteller vor Herausforderungen, da die Positivliste unzureichend für die Produktion konformer Druckfarben erscheint.

Indien

Indien verfolgt einen Negativlistenansatz, wobei Druckfarben der Norm IS 15495 entsprechen müssen. Wichtig: Direkter Lebensmittelkontakt mit bedruckten Oberflächen ist verboten, was die Anwendungen einschränkt.

Japan

Japan besitzt eine Positivliste für Polymere und Additive in Kunststoffen seit 2020, die Druckfarben jedoch nicht direkt reguliert. Stattdessen existiert eine freiwillige Negativliste der Japan Printing Ink Makers Association (JPIIMA), die etwa 700 Substanzen umfasst.

Europäische Gesetzgebung und Herausforderungen

In Europa bildet die Rahmenverordnung (EU) Nr. 1935/2004 das Grundgerüst für Lebensmittelkontaktmaterialien. Sie fordert, dass Materialien nach guten Herstellungspraxen gefertigt werden und keine Stoffe an Lebensmittel abgegeben werden dürfen, die die Gesundheit gefährden oder sensorische Eigenschaften verändern.

Die meisten spezifischen Vorschriften beziehen sich auf Materialien wie Kunststoffe oder Keramik, doch für Druckfarben existiert bislang keine eigene EU-Verordnung. Druckfarben müssen daher die allgemeinen Anforderungen erfüllen, wobei die europäische Kunststoffverordnung (EU) Nr. 10/2011 als Referenz für Migrationstests und Positivlisten herangezogen wird.

Good Manufacturing Practice (GMP) in Europa

Die GMP-Verordnung (EU) Nr. 2023/2006 regelt die Herstellung von Lebensmittelkontaktmaterialien, einschließlich Druckfarben für indirekten Lebensmittelkontakt. Sie legt Anforderungen an Qualitätsmanagement, Rohstoffauswahl und Dokumentation fest, um Sicherheit und Qualität zu gewährleisten.

Zukünftige Entwicklungen im Rahmen des Green Deal

Die Europäische Kommission verfolgt mit dem Green Deal und der Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit ambitionierte Ziele, die auch die Revision der Rahmenverordnung betreffen. Geplant ist eine stärkere Fokussierung auf den Endartikel, bei dem alle migrierbaren Stoffe bekannt sein müssen, unabhängig davon, ob sie absichtlich oder nicht absichtlich enthalten sind.

Substanzen werden nach Gefährlichkeit priorisiert:

  1. Verbotene Stoffe, z.B. CMR-Kategorien 1 und 2
  2. Andere gefährliche Stoffe, die eine Zulassung benötigen
  3. Unbedenkliche Stoffe, für die der Hersteller verantwortlich ist

Die Förderung nachhaltiger Alternativen und die Substitution gefährlicher Stoffe stehen dabei im Vordergrund. Die Umsetzung wird voraussichtlich bis 2027/2028 erfolgen.

Schweizer und deutsche Druckfarbenverordnungen

Die Schweiz ist weltweit führend mit einer eigenen Druckfarbenverordnung, die auf einer Positivliste basiert und derzeit rund 1.000 Substanzen umfasst. Eine kürzlich erfolgte Revision wird ab 2026 die bisherige Liste B abschaffen, sodass Substanzen, die unter 10 ppb migrieren und nicht CMR-klassifiziert sind, nicht mehr gelistet werden müssen.

Die Definition von CMR ( (cancerogen)krebserzeugend, (mutagen) erbgutverändernd, (reproduktionstoxisch) fortpflanzungsgefährdend) ist jedoch Gegenstand laufender Diskussionen, insbesondere im Hinblick auf Datenlücken bei der Klassifizierung.

Die Verordnung verlangt zudem eine Konformitätserklärung für Druckfarben, welche durch den „Statement of Composition“ auf Verbandsniveau erfüllt werden kann.

Schweizer  Druckfarbenverordnung

Die deutsche Druckfarbenverordnung

Deutschland hat als Reaktion auf die Verzögerungen auf europäischer Ebene eine eigene Druckfarbenverordnung im Rahmen der Bedarfsgegenständeverordnung eingeführt, die ab Januar 2026 in Kraft tritt. Sie regelt erstmals auch Druckfarben mit direktem Lebensmittelkontakt.

Die Verordnung setzt eine Positivliste voraus, die sich an der Schweizer Liste orientiert, aber Unterschiede, insbesondere im UV-Druckbereich, aufweist. Nicht gelistete Substanzen dürfen unter strengen Bedingungen verwendet werden, sofern sie unter der Nachweisgrenze von 10 ppb liegen und nicht CMR-klassifiziert sind.

Die Verordnung betrifft nicht nur in Deutschland hergestellte Produkte, sondern alle, die in Deutschland in Verkehr gebracht werden, und könnte sich ähnlich wie die Schweizer Verordnung zu einer de facto internationalen Referenz entwickeln.

Brancheninitiativen und Selbstverpflichtungen

Da die Regulierung von Druckfarben weltweit unvollständig und uneinheitlich ist, haben die Druckfarbenhersteller in Europa eigene Konzepte und Richtlinien entwickelt, um Sicherheit zu gewährleisten:

EUPIA  Ausschlusspolitik  und  GMP-Richtlinien

Besonderheiten bei UV-Druckfarben

UV-Druckfarben stellen eine besondere Herausforderung dar, da sie reaktive Chemikalien wie Photoinitiatoren enthalten, die oft als Gefahrstoffe eingestuft sind. Die Industrie hat eine Liste geeigneter Photoinitiatoren für Lebensmittelkontakt entwickelt, die auch von Markeninhabern anerkannt wird.

Migrationstests und Risikoabschätzung

Migrationstests sind essenziell, um sicherzustellen, dass keine bedenklichen Stoffe in Mengen in die Lebensmittel gelangen, die Grenzwerte überschreiten. Die Industrie verwendet verschiedene Methoden:

Darüber hinaus werden nicht absichtlich zugesetzte Stoffe (NIAS) toxikologisch bewertet, um sichere Grenzwerte (self derived SML) zu definieren. Diese Bewertungen stützen sich auf anerkannte Prinzipien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Statement of Composition

Da es bislang keine einheitliche Regulierung für Druckfarben gibt, wird ein „Statement of Composition“ erstellt, das detaillierte Informationen über alle potenziell migrierbaren Substanzen enthält – inklusive Hauptbestandteile, Verunreinigungen und NIAS. Dieses Dokument unterstützt Verpackungshersteller und Markeninhaber bei der Einhaltung gesetzlicher und kundenspezifischer Anforderungen.

Fazit und Ausblick

Die weltweiten Regelungen für gedruckte Verpackungen im Lebensmittelkontakt sind äußerst heterogen und oft unvollständig. Während Länder wie die Schweiz und Deutschland eigene detaillierte Verordnungen erlassen haben, fehlt auf europäischer Ebene bisher eine spezifische Druckfarbenverordnung.

Die Druckfarbenindustrie reagiert darauf mit eigenen strengen Selbstverpflichtungen, Leitlinien und umfassenden Risikoabschätzungen, um die Sicherheit von Lebensmittelverpackungen zu gewährleisten. Der Blick in die Zukunft zeigt, dass mit der Umsetzung des europäischen Green Deals und der Chemikalienstrategie eine stärkere Regulierung und Priorisierung von gefährlichen Substanzen zu erwarten ist.

Die Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette – von Rohstofflieferanten über Druckfarbenhersteller bis hin zu Verpackungsherstellern und Markeninhabern – ist entscheidend, um den hohen Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden und Innovationen zu fördern.

Derzeit sind wir in einer Übergangsphase, die viel Arbeit und Anpassungen erfordert, doch das Ziel bleibt klar: sichere, nachhaltige und konforme Lebensmittelverpackungen, die den Verbraucherschutz gewährleisten.

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In der heutigen Arbeitswelt ist es wichtiger denn je, sich selbst klar zu positionieren und sichtbar zu bleiben – besonders in Branchen wie der Verpackungsindustrie, die sich stetig weiterentwickelt und neue Perspektiven braucht. Dieses Thema stand im Mittelpunkt eines inspirierenden Webinars, das von FACHPACK organisiert wurde. Die Wirtschaftspsychologin und systemische Coachin Rebecca Lüpke, bekannt durch die Female Leadership Academy, gab wertvolle Impulse, wie Frauen in der Verpackungsbranche ihre Stärken, Haltung und ihr Potenzial authentisch nach außen tragen und so ihren persönlichen Impact erhöhen können.

Warum Sichtbarkeit und Positionierung so entscheidend sind

Sichtbarkeit und Positionierung sind keine bloßen Schlagworte, sondern essenzielle Bausteine für den beruflichen Erfolg und Einfluss. Rebecca Lüpke erklärt, dass Einfluss – oder „Impact“ – zwei wesentliche Voraussetzungen hat: Man muss bekannt und anerkannt sein. Nur wer beides vereint, wird in Entscheidungsprozesse eingebunden und kann aktiv mitgestalten.

Bekannt zu sein bedeutet, dass andere Menschen wissen, wer man ist und was man kann. Anerkannt zu sein heißt, dass man als kompetent und vertrauenswürdig wahrgenommen wird. Fehlt eine dieser beiden Komponenten, bleibt der Einfluss begrenzt. Das Ziel ist daher, sich als Expertin klar zu positionieren und gleichzeitig eine warme, vertrauensvolle Ausstrahlung zu haben.

Die drei Ebenen der Positionierung: Ich, Wir und Wofür

Rebecca stellt ein Modell vor, das drei Ebenen der Positionierung umfasst, die zusammenwirken, um den eigenen Impact zu stärken:

  1. Ich – Die innere Haltung und Selbstkenntnis
  2. Wir – Die zwischenmenschliche Interaktion
  3. Wofür – Die Themen und Visionen, für die man steht

1. Die innere Haltung: Klarheit über mich selbst

Die Grundlage für jede Form von Sichtbarkeit ist eine starke innere Haltung. Nur wer sich selbst gut kennt und eine klare Haltung hat, kann authentisch und greifbar nach außen wirken. Rebecca fordert dazu auf, sich regelmäßig die Frage zu stellen: Mit welcher inneren Haltung möchte ich anderen begegnen?

Diese Haltung umfasst die eigenen Werte, Stärken und Ziele. Es lohnt sich, diese Aspekte nicht nur einmalig zu reflektieren, sondern regelmäßig „einzuchecken“ und weiterzuentwickeln. Gerade in stressigen Zeiten wird diese Selbstreflexion oft vernachlässigt, dabei ist sie gerade dann besonders wichtig.

Werte spielen eine zentrale Rolle: Sie sind nicht nur abstrakte Begriffe, sondern zeigen sich im täglichen Verhalten und prägen, wie wir im Beruf agieren. Wichtig ist, die Werte aktiv zu leben und nicht nur darauf zu reagieren, ob sie verletzt werden oder nicht. So entsteht ein klares inneres „Standing“, das sich auch nach außen zeigt.

Umgang mit dem Imposter-Syndrom

Viele Menschen, Frauen wie Männer, kennen das Gefühl, nicht gut genug zu sein – das sogenannte Imposter-Syndrom. Studien zeigen, dass rund 80 % der Menschen solche Gedanken haben. Rebecca betont, dass es nicht darum geht, diese Gedanken komplett zu eliminieren, sondern sie wahrzunehmen, anzuerkennen und ihnen nicht zu folgen.

Ein hilfreicher Umgang damit ist, regelmäßig die eigenen Erfolge und Stärken zu notieren, auch wenn es sich unangenehm anfühlt. So wird die innere Sicherheit Schritt für Schritt gestärkt und das Selbstbild realistischer und positiver.

2. Zwischenmenschliche Interaktion: Das „Wir“ gestalten

Die zweite Ebene beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel mit anderen Menschen. Hier geht es darum, wie wir in der Kommunikation Kompetenz und Wärme ausstrahlen können. Beide Faktoren sind gleichermaßen wichtig, um als glaubwürdig und sympathisch wahrgenommen zu werden.

Kompetenz zeigt sich durch klare, prägnante Aussagen, Blickkontakt und eine selbstbewusste Stimme. Rebecca gibt wertvolle Tipps:

Wärme

entsteht durch Gesten und Signale wie langsames Nicken, eine offene Körperhaltung, echtes Lächeln und das Zeigen der Handflächen. Auch die Stimme spielt eine große Rolle – sie sollte authentisch und dynamisch sein, mit wechselndem Tempo und Tonhöhe, um lebendig zu wirken.

Die Balance zwischen „hart“ und „weich“ in der Kommunikation

Im beruflichen Kontext ist es wichtig, eine Balance zwischen Klarheit und Empathie zu finden. Rebecca beschreibt, dass Kommunikation weder zu hart (gegnerisch) noch zu weich (harmoniesüchtig) sein sollte. Stattdessen empfiehlt sie die Haltung von „Lösungsfinderinnen“:

„Wir arbeiten gemeinsam an einem Problem, wir sind keine Gegnerinnen, sondern Partnerinnen auf dem Weg zur Lösung.“

Diese Haltung erlaubt es, klare Standpunkte zu vertreten und gleichzeitig offen für die Perspektiven anderer zu sein – eine Kombination, die sowohl Kompetenz als auch Wärme ausstrahlt und so den eigenen Einfluss stärkt.

3. Die Themen: Wofür stehe ich und was ist mein Beitrag?

Die dritte Ebene richtet den Blick nach außen auf die Inhalte und Themen, für die man sichtbar sein möchte. Es reicht nicht aus, nur die eigene Kompetenz und Ausstrahlung zu entwickeln – man braucht auch eine klare Positionierung, wofür man steht und welchen Beitrag man leisten möchte.

Rebecca ermutigt dazu, sich ein persönliches Mission Statement zu erarbeiten, das die eigenen Themen mit einem größeren Sinn verbindet. Dieses Statement beantwortet Fragen wie:

Beispiel für ein Mission Statement:

„Ich setze mich für eine nachhaltige Zukunft ein, in der Unternehmen und Gesellschaft im Einklang mit der Umwelt handeln. Durch innovative Lösungen und verantwortungsvolle Führung gestalte ich diesen Wandel aktiv mit.“

Dieses klare „Wofür“ ist ein starkes Werkzeug, um sich bei neuen Kontakten kurz und prägnant vorzustellen und direkt sichtbar zu machen, wofür man steht und welchen Impact man anstrebt.

Netzwerken als Schlüssel zum Erfolg

Positionierung und Sichtbarkeit finden nicht im luftleeren Raum statt. Ein aktives und bewusst gepflegtes Netzwerk ist essenziell, um den eigenen Impact zu entfalten. Dabei geht es nicht nur darum, Kontakte zu sammeln, sondern gezielt zu überlegen:

Gleichzeitig zahlt eine wertschätzende Haltung gegenüber anderen im Netzwerk auf die eigene Sichtbarkeit ein. Wer die Stärken anderer erkennt und feiert, schafft Vertrauen und wird selbst als kompetent und warm wahrgenommen.

Praktische Übungen zur Stärkung der eigenen Positionierung

Rebecca empfiehlt, sich Zeit für Selbstreflexion zu nehmen und mit einfachen Übungen zu starten, wie:

Auch der Austausch in kleinen Gruppen, etwa in Breakout-Sessions, hilft dabei, Gedanken zu sortieren und neue Perspektiven zu gewinnen. Dabei ist es wichtig, einen wertfreien Raum zu schaffen, in dem offen und ehrlich über die eigenen Werte, Herausforderungen und Stärken gesprochen werden kann.

Fazit: Own Your Impact – Sichtbar werden mit Haltung und Klarheit

Sichtbarkeit und Positionierung sind essenzielle Fähigkeiten, um in der heutigen Arbeitswelt Einfluss zu nehmen und die eigene Karriere aktiv zu gestalten. Dabei geht es nicht nur darum, sich lautstark zu präsentieren, sondern tief in sich selbst Klarheit zu schaffen über die eigene Haltung, die eigenen Werte und den Beitrag, den man leisten möchte.

Die Kombination aus innerer Klarheit, empathischer und kompetenter Kommunikation sowie einer klaren Positionierung zu den eigenen Themen bildet die Basis, um als Frau in der Verpackungsbranche – und darüber hinaus – sichtbar und wirksam zu sein.

Netzwerken ist dabei der Schlüssel, um diese Positionierung im beruflichen Alltag zu leben und den eigenen Impact zu erhöhen. Wer sein Netzwerk bewusst pflegt und mit einer wertschätzenden Haltung agiert, schafft die Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg.

Die Einladung lautet: Own your Impact – Übernimm Verantwortung für deine Wirkung, deine Haltung und deinen Beitrag. Denn nur wer sich klar positioniert und sichtbar bleibt, kann die Zukunft seiner Branche aktiv mitgestalten.

Nutze die Impulse, um deine eigene Wirkung zu reflektieren, deine Stärken zu stärken und mutig deinen Platz einzunehmen. Denn jeder von uns führt – ob im Job, im Netzwerk oder im Alltag. Mach dich sichtbar und gestalte mit!

Interessant!

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Die Koordinierungsstelle Umweltschutz des DIN e. V. Berlin hat mit ihrer Veranstaltung „PFAS im Fokus – Analyse und Wege zu einer schadstofffreien Zukunft“ einen umfassenden Einblick in die Problematik und Lösungsansätze rund um per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) gegeben. PFAS sind aufgrund ihrer Persistenz, Mobilität und potenziellen Gesundheitsrisiken eine große Herausforderung für Umwelt und Gesellschaft. In diesem Beitrag beleuchten wir die vielfältigen Facetten von PFAS, von ihrer Verbreitung und toxikologischen Auswirkungen über politische Regulierung bis hin zu analytischen Herausforderungen und praktischen Beispielen aus der Produktwelt.

Karte von PFAS Hotspots und Umweltkontamination in Deutschland

Inhaltsverzeichnis

🌍 PFAS: Eine allgegenwärtige Herausforderung in Umwelt und Gesellschaft

PFAS sind eine Gruppe von Chemikalien, die durch ihre einzigartige chemische Struktur besonders stabil, wasser-, öl- und schmutzabweisend sind. Diese Eigenschaften machen sie in zahlreichen industriellen Prozessen und Verbraucherprodukten unverzichtbar. Gleichzeitig sind sie extrem langlebig, reichern sich in Umwelt und Organismen an und lassen sich nur schwer abbauen.

Der erste große Kontaminationsfall in Deutschland wurde vor etwa zwanzig Jahren im Einzugsgebiet der Möhnetalsperre in Nordrhein-Westfalen entdeckt. Dort führte die Ausbringung von PFOA-haltigen Klärschlämmen auf landwirtschaftlichen Flächen zu einer kontinuierlichen Emission in Fließgewässer, welche bis in das Trinkwasser reichte. Die Folge waren erhöhte PFOA-Werte im Blut der betroffenen Bevölkerung, die nur sehr langsam wieder zurückgingen.

Solche Hotspots finden sich häufig an Produktionsstandorten, bei Feuerbekämpfungsübungen, sowie durch unsachgemäße Entsorgung von Abfällen. Die Kontaminationen führen nicht nur zu Umweltbelastungen, sondern auch zu einer erhöhten Exposition vieler Menschen über Trinkwasser, Nahrung und Hausstaub.

Erhöhte PFOA-Konzentrationen im Blut der Bevölkerung im Möhnetal

Neben diesen punktuellen Belastungen gibt es auch sogenannte Hintergrundkontaminationen, die aus diffusen Quellen stammen und PFAS in der gesamten Umwelt verbreiten. PFAS gelangen über Luft, Wasser und Nahrungsketten bis in entlegene Regionen wie die Polarzonen, wo sie in Tieren wie Eisbären nachweisbar sind.

PFAS-Belastung bei Eisbären in Grönland

🔬 Umweltchemische Eigenschaften und Verbreitung von PFAS

PFAS besitzen eine außergewöhnliche Stabilität, die sie in der Umwelt langlebig und persistent macht. Sie sind in der Lage, sich über weite Strecken durch atmosphärischen und hydrologischen Transport zu verbreiten. Dabei akkumulieren sie sich in Organismen und können durch die Nahrungskette weitergegeben werden.

Ein wichtiger Aspekt ist die Transformation polyfluorierter Substanzen zu perfluorierten Abbauprodukten, die noch stabiler und problematischer sind. Studien aus Grundwasseruntersuchungen in Dänemark zeigen eine deutliche Zunahme von Trifluoressigsäure (TFA), einem Abbauprodukt vieler PFAS, das mittlerweile sogar in entlegenen Gebieten wie der Antarktis nachweisbar ist.

Zunahme von Trifluoressigsäure im Grundwasser in Dänemark

Diese Transformationen zeigen, dass Ersatzstoffe, die auf polyfluorierten Verbindungen basieren, keine echte Lösung darstellen, da sie langfristig zu den gleichen persistenten und toxischen Endprodukten führen können.

⚠️ Toxikologische und gesundheitliche Auswirkungen von PFAS

Lange Zeit wurde angenommen, dass PFAS aufgrund ihrer chemischen Stabilität wenig toxisch seien. Doch die Forschung hat in den letzten Jahren gezeigt, dass PFAS trotz fehlender akuter Toxizität chronische, subtile Gesundheitsrisiken bergen. Die Halbwertszeit von PFAS im menschlichen Körper liegt bei mehreren Jahren, sodass sich die Substanzen mit der Zeit anreichern können.

Die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (TWI) für PFAS wurde in den letzten Jahren drastisch von mehreren Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht auf wenige Nanogramm pro Kilogramm herabgesetzt – eine Absenkung um das Tausendfache. Dies verdeutlicht die zunehmende Besorgnis über die langfristigen gesundheitlichen Folgen.

Zu den belegten gesundheitlichen Effekten zählen unter anderem:

Diese Effekte unterstreichen die Notwendigkeit eines vorsorgenden Umgangs mit PFAS, auch wenn noch nicht alle toxikologischen Daten abschließend vorliegen.

🛑 Politische Regulierung und EU-Beschränkungen von PFAS

Die Regulierung von PFAS stellt eine komplexe Herausforderung dar. Aufgrund der Vielzahl an Substanzen (über zehntausend bekannt) und deren unterschiedlichen Eigenschaften ist eine Einzelstoffbeschränkung nicht praktikabel. Daher verfolgt die EU derzeit einen Gruppenansatz, der die gesamte Stoffgruppe der PFAS erfasst, um ungewollte Substitutionen zu verhindern.

Im Jahr 2020 wurden in der EU etwa 840.000 Tonnen PFAS verbraucht, mit den größten Anteilen in fluorierten Gasen, dem Transportsektor, Textilien und Medizinprodukten. Die Emissionen in die Umwelt werden auf rund 75.000 Tonnen jährlich geschätzt, mit einer kumulativen Belastung von etwa 4,4 Millionen Tonnen in den kommenden 30 Jahren.

Verwendungsmengen und Emissionen von PFAS in verschiedenen Sektoren

Die EU-Beschränkungen zielen darauf ab, Herstellung, Verwendung und Inverkehrbringen von PFAS als einzelne Stoffe, Gemische oder Bestandteile von Erzeugnissen zu verbieten, mit definierten Grenzwerten:

Ausnahmen sind nur dann vorgesehen, wenn keine technisch und wirtschaftlich verfügbaren Alternativen existieren oder diese noch nicht einsatzfähig sind. Der Beschränkungsprozess umfasst wissenschaftliche, politische und Übergangsphasen und ist geprägt von intensiven Stakeholder-Diskussionen.

🧪 Analytische Herausforderungen bei PFAS – Umwelt- und Produktanalytik

Die Analyse von PFAS ist aufgrund der extrem großen Stoffvielfalt, fehlender Referenzmaterialien und komplexer Matrizes eine große Herausforderung. Es gibt verschiedene analytische Ansätze:

Schematische Darstellung Verbrennungsmethode zur Gesamtfluoranalyse

Die Produktanalytik steht vor besonderen Herausforderungen, da PFAS in Produkten häufig in polymerer Form oder als Seitenkettenfluorpolymere vorliegen, die durch konventionelle Extraktionsmethoden oft nicht erfasst werden. So führte die Verwendung von Methanol als Extraktionsmittel in einigen Fällen zu erheblich unterschätzten PFAS-Gehalten. Die Einführung einer alkalischen Hydrolyse als Extraktionsschritt („Gamechanger“) ermöglicht nun eine bessere Erfassung dieser Verbindungen.

Die jüngst veröffentlichte Norm DIN EN 17681 Teil 1 (2025) beschreibt diese verbesserte Methode und wird voraussichtlich die Analytik in Verbraucherprodukten wie Textilien, Leder und Papier maßgeblich verbessern.

🧴 PFAS in Verbraucherprodukten – Beispiele und Konsequenzen

PFAS finden sich in zahlreichen Produkten des täglichen Gebrauchs, darunter wasserabweisende Textilien, Papierverpackungen, Imprägniersprays, Feuerlöschschäume und Kosmetika. Diese Produkte sind oft so konzipiert, dass die PFAS dauerhaft in den Materialien verbleiben – „Erzeugnisse für die Ewigkeit“. Die Folgen sind:

Beispielsweise wurde bei Polyestertextilien ein deutlicher Unterschied zwischen beschichteten und unbeschichteten Stoffen sichtbar, wobei PFAS-beschichtete Stoffe Öl und Wasser abweisen. Untersuchungen zeigten, dass auch in Papierverpackungen wie Pizzakartons oder Mikrowellen-Popcorntüten oft hohe PFAS-Gehalte nachweisbar sind, die in die Umwelt und Lebensmittel übergehen können.

Die Kontamination durch PFAS in Produkten aus Asien, insbesondere China, ist ein zusätzliches Problem, da dort oft Produkte als „PFAS-frei“ beworben werden, obwohl sie dennoch belastet sind. Dies führt zu Irreführungen und erschwert die Kontrolle.

♻️ PFAS und Kreislaufwirtschaft – Herausforderungen für Recycling und Nachhaltigkeit

Die Integration von Recyclingmaterialien in die Produktion von Textilien, Papier und Kunststoffen wird durch PFAS-Belastungen erschwert. PFAS-reiche Recyclingstoffe können die Belastung in neuen Produkten erhöhen und somit den Kreislauf schließen, ohne das Problem zu lösen. Dies widerspricht den Zielen einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft und macht die „Design out chemicals, PPWR Anforderungen“ umso wichtiger.

Die Überwachung und Kontrolle von PFAS in Recyclingmaterialien sowie die Entwicklung von Alternativen sind entscheidend, um die Umwelteinträge langfristig zu reduzieren. Ohne klare Regulierungen und analytische Methoden besteht die Gefahr, dass PFAS weiterhin in den Materialkreisläufen verbleiben und sich anreichern.

❓ FAQ – Häufig gestellte Fragen zu PFAS und deren Regulierung

Was sind PFAS und warum sind sie problematisch?

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind synthetische Chemikalien, die aufgrund ihrer Stabilität und wasser-, ölabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten verwendet werden. Sie sind jedoch extrem langlebig, reichern sich in Umwelt und Organismen an und können gesundheitsschädliche Wirkungen haben.

Wie gelangen PFAS in den menschlichen Körper?

Die Hauptaufnahmewege sind über die Nahrung, Trinkwasser und das Einatmen oder Verschlucken von Hausstaub. Hautkontakt spielt eine geringere Rolle und ist weniger gut untersucht.

Gibt es Abbauwege für PFAS in der Umwelt?

Bislang sind keine vollständigen Abbauwege bekannt, die PFAS in harmlose Substanzen umwandeln. Einige polyfluorierte Substanzen können teilweise zu perfluorierten Endprodukten abgebaut werden, die jedoch ebenfalls persistent sind.

Wie werden PFAS in Produkten und Umweltanalytik nachgewiesen?

Es gibt gezielte Analysen für bekannte PFAS, oxidativ-chemische Methoden zur Erfassung von Vorläufersubstanzen sowie Summenparameter wie den Gesamtfluorgehalt. Die Analytik ist komplex, da es tausende verschiedene PFAS gibt und viele nicht als Referenzstandards verfügbar sind.

Welche Regulierungen gibt es für PFAS in der EU?

Die EU arbeitet an Gruppenbeschränkungen, die Herstellung, Verwendung und Inverkehrbringen von PFAS weitgehend verbieten sollen, mit Ausnahmen für unverzichtbare Anwendungen. Grenzwerte sind definiert, und der Ansatz soll ungewollte Substitution verhindern.

Wie beeinflussen PFAS die Kreislaufwirtschaft?

PFAS in Recyclingmaterialien können die Umweltbelastung verstärken und die Nachhaltigkeitsziele gefährden. Eine konsequente Regulierung und Kontrolle sind notwendig, um PFAS aus den Kreisläufen zu entfernen.

🔚 Fazit – Wege zu einer schadstofffreien Zukunft mit Design out chemicals, PPWR Anforderungen

Die Herausforderungen durch PFAS sind komplex und betreffen Umwelt, Gesundheit, Politik und Wirtschaft gleichermaßen. Die Veranstaltung von DIN e. V. hat deutlich gemacht, dass ein umfassender, wissenschaftlich fundierter und regulativer Ansatz nötig ist, um PFAS nachhaltig zu reduzieren.

Der Gruppenansatz in der EU-Beschränkung, verbesserte analytische Methoden, ein bewusster Umgang mit Recyclingmaterialien sowie die Entwicklung und Nutzung von PFAS-freien Alternativen sind wesentliche Bausteine für die Zukunft. Insbesondere die „Design out chemicals, PPWR Anforderungen“ spielen eine zentrale Rolle, um die Verwendung gefährlicher Chemikalien in Produkten von Anfang an zu vermeiden und so die Umwelt langfristig zu schützen.

Nur durch gemeinsame Anstrengungen von Wissenschaft, Industrie, Politik und Gesellschaft kann der Weg zu einer schadstofffreien Zukunft erfolgreich gestaltet werden.

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Mentimeter Umfrage zur Zukunft von PFAS und Normung

This article was created from the video PFAS im Fokus – Analyse und Wege zu einer schadstofffreien Zukunft with the help of AI.